Die Digitalisierung der Zeitungsausschnittsammlung zur Schweizer Wirtschaft 1850 bis 2012


«Die Digitalisierung wird immer stärker zur treibenden Kraft für Innovationen in Wirtschaft und Gesellschaft», so economiesuisse im kürzlich publizierten Schwerpunkt «Digitale Wirtschaft». Auch in den Archiven ist die Herausforderung «Digitalisierung» angekommen, und das Schweizerische Wirtschaftsarchiv SWA der Universität Basel ist davon betroffen. Es hat die Herausforderung angenommen und bietet der Forschung bereits zahlreiche Dienstleistungen digital an: Recherchetools, E-Literatur oder Datenbanken. Was nicht digital vorhanden ist, wird je länger, je weniger zur Kenntnis genommen. Was tun wir mit dem grössten Asset, den traditionellen Quellen, diesen kulturhistorischen Schätzen, die in den Magazinen schlummern und zig Regalkilometer umfassen? Viele Zeugnisse der Vergangenheit befinden sich zudem in gefährdetem Zustand. Retrodigitalisierung schafft hier Verbesserung. Eine Schutzkopie entsteht, und dank der digitalen Nut- zung wird die physische Nutzung, die auch immer Abnutzung bedeutet, reduziert.

Das SWA dokumentiert die Schweizer Wirtschaft, indem es systematisch Graue Literatur sammelt («Wirtschaftsdokumentation») und gezielt Archivbestände von Firmen, Verbänden und Personen («Wirtschaftsarchive») sichert. Ein Standbein der Wirtschaftsdokumentation bildet die herausragende Zeitungsausschnittsammlung. Sie deckt die Jahre 1850 bis 2012 ab und enthält ca. 2,5 Millionen Ausschnitte in 35’000 Dossiers. Über viele Firmen und Verbände bietet sie die einzige Quelle. Ihr zeitlicher und geografischer Horizont, ihre systematische Vollständigkeit und inhaltliche Qualität sind einmalig. Die Sammlung ermöglicht effiziente Forschungen zur Wirtschaftsgeschichte, ausserdem zu vielen Nachbardisziplinen, wie etwa der Konsum- oder Verkehrsgeschichte, sowie zu unerwarteten Fächern wie Städtebau, Linguistik oder Mode. Momentan beschränkt sich die Nutzung auf den Sonderlesesaal im SWA. Hier setzt das SWA die Priorität und digitalisiert. Das Projekt findet Anerkennung und Interesse. Leider sind die Mittel dafür begrenzt. Umso glücklicher war das SWA um die grosszügige Zusprache der FAG. Zusammen mit eigenen und Mitteln anderer Stiftungen kann damit die erste von vier Etappen finanziert werden. Im Januar 2017 trat das Projekt in die Umsetzung. Ein Projektmitarbeiter hebt im Magazin die Dosiers aus, prüft den Ordnungszustand und erstellt eine Bearbeitungsfiche. Die Fiche begleitet das Dossier ins Bürgerspital. Das Bürgerspital verfügt über langjährige Erfahrung in der Digitalisierung und Datenerfassung und bietet Menschen mit Behinderungen angepasste Arbeitsplätze. Qualifizierte Mitarbeitende leiten die Behinderten an und sichern die Qualität ab. Auf Grund der Erfahrung des Bürgerspitals mit spezialisierten Aufträgen schweizerischer Gedächtnisinstitutionen, darunter auch der Universitätsbibliothek Basel, geht das SWA die Projektpartnerschaft vertrauensvoll ein.

Folgende Arbeitsschritte werden im Bürgerspital durchgeführt: Entfernen von Klammern, Scannen der Artikel, Zusammenführen mehrseitiger Dokumente, Texterkennung, Aufbereitung der Scans für das Zielsystem, Erfassen der Metadaten, Rücktransport der physischen Dossiers.

Im SWA werden die Digitalisate und Daten stichprobenartig geprüft und die physischen Dossiers ins Magazin zurückgestellt. Zu guter Letzt stehen die digitalen Dokumente auf der E-ZAS-Plattform online zur Verfügung.

Irene Amstutz

Beispiele für Dossiers der Wirtschaftsdokumentation
Aussenhandel, Erfindungsschutz, Forschungs- und Technologiepolitik, Kantonale Wirtschaft Basel-Landschaft ...
Bachem Holding AG, Landesausstellung 1964, Novartis, Roche, Schweizerische Bankiervereinigung ...
Alfred Bürgin (1927–2014), Julius Landmann (1877–1931), Edgar Salin (1892–1974) ...