Flammender Gründungsaufruf mit Nachhall

Der Basler Ratsherr und Rechtsprofessor Andreas Heusler-Ryhiner initiierte 1835 aus Anlass der zwei Jahre zuvor vollzogenen Trennung von Basel-Stadt und Basel-Landschaft die Freiwillige Akademische Gesellschaft (FAG). Anders als das übrige Staatsvermögen wurde dasjenige der Universität und ihrer Sammlungen physisch im Zuge der Kantonstrennung nicht geteilt. Mit der Folge, dass die Stadt, dem neuen Landkanton die damals enorme Summe von 331'451.55 Franken auszahlen musste. Die daraus resultierende schlechte Finanzlage hinderte den Grossen Rat nicht, sich 1835 für die Beibehaltung der Universität als öffentliche Einrichtung zu entscheiden.

Am 20. April desselben Jahres veröffentlichte Heusler-Ryhiner zusammen mit andern Persönlichkeiten einen flammenden Gründungsaufruf, der die wichtigsten Tätigkeiten der neuen Gesellschaft umriss: das Sammeln von privaten Spenden für Gehaltszulagen zur Gewinnung und Erhaltung qualifizierter Dozenten, den Ausbau der wissenschaftlichen Sammlungen sowie die Vermittlung der wissenschaftlichen Forschung an die Öffentlichkeit. Die Idee war schlagend und schnell flossen der FAG beträchtliche Mittel zu, mit denen sie in der Folge Vielfältiges und bis heute Nachwirkendes unterstützen konnte. So unter anderem die Rückberufung des Professors Jacob Burckhardt, die Pensionierung von Professor Friedrich Nietzsche oder die beträchtliche Mitfinanzierung der Bauarbeiten des Bernoullianums (1874), des Vesalianums (1884/85), des Botanischen Gartens (1896) und der Universitätsbibliothek (1901). In Basel unterhielt die FAG lange wohl nicht den einzigen, aber sicher grössten Fonds, welcher der Universität verpflichtet war. Dies änderte sich erst 1952 mit der Gründung des Schweizerischen Nationalfonds, an dem sich die FAG übrigens mit 10'000 Franken beteiligte.

Was damals entstand, war vermutlich weltweit das erste Bekenntnis einer Bürgerschaft zu «ihrer» Universität und deren Sammlungen, die mittlerweile längst in die öffentlichen Museen des Kantons Basel-Stadt überführt sind.

Die FAG hat gegenwärtig rund 1'200 Mitglieder; ihr Vermögen stammt hauptsächlich aus Spenden, Schenkungen, Legaten und den Erträgnissen daraus. Bis heute erhält sie bedeutende Zuwendungen – ein Zeichen dafür, dass zahlreichen Menschen das Gedeihen der Universität und der öffentlichen Museen ein Anliegen ist. Wenngleich sich das Umfeld für die Generierung finanzieller Mittel in den letzten Jahren stark gewandelt hat, bleibt die Hoffnung, dass es auch in Zukunft Spenderinnen und Spender geben wird, welche die FAG bedenken.